© Diakonie Wolfsburg/Bettina Enßlen
Mit Alarm, künstlichem Rauch und jeder Menge Adrenalin im Michaelis-Heim in Brome

Für den Ernstfall geprobt - mit vereinten Kräften Pflegeheim evakuiert

Vom Auslösen des Feueralarms um 14.36 Uhr bis zum Hinaustragen der letzten Person um 14.59 Uhr vergingen gerade mal 23 Minuten. Einsatzleiter Klaus Friedrich von der Freiwilligen Feuerwehr Brome ist mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Die erste große Pflegeheim-Evakuierung in der Geschichte des Landkreises Gifhorn lief insgesamt glatt und ohne größere Vorkommnisse. Auch Annette Sternagel, Leitung des Michaelis-Heims in Brome und damit verantwortlich für den Ort, an dem es zur Premierekam, zieht ein rundum positives Fazit: "Das ist echt gut gelaufen, mein Team war toll, es hat den Überblick behalten."

Vor Ort wusste keiner, dass es sich um eine Übung handelt. Eingeweiht waren lediglich der Einsatzleiter, die Meldestelle und das Leitungsteam der Pflegeeinrichtung, die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Die Idee zu einer Übung kam Annette Sternagel im Gespräch mit Klaus Friedrich bei einer Brandschutzbegehung der Einrichtung. "Können wir das eigentlich auch mal praktisch üben, was wir hier theoretisch immer wieder durchsprechen?", wollte sie wissen. Und dann vergingen nur wenige Wochen bis zu diesem spektakulären und zunächst total real wirkenden Einsatz. Vermeintlich war in einem Kellerraum ein Feuer ausgebrochen mit großer Rauchentwicklung. Den Rauch gab es "in echt", darum hatte sich Friedrich mit ein paar eingeweihten Feuerwehrmännern gekümmert. Den Alarm auch. Die Aufzüge blieben wie gewünscht mit offenen Türen stehen. Alle Mitarbeitenden liefen herbei und teilten sich nach kurzer Absprache bestmöglich auf. Die ankommenden Feuerwehrleute, verteilt auf zwei Löschzüge und mehr als acht große Feuerwehrfahrzeuge, schwärmten ebenfalls aus.

Richtung Keller machten sich Kollegen mit Atemschutz und Wasserschläuchen auf den Weg. Durch den Haupteingang in die zwei Etagen des Pflegeheims spurteten die anderen los. Besonders bemerkenswert war der Umstand, dass just genau zur vorgesehenen Übungsstartzeit ein Rettungswagen des DRK vorfuhr. Das war nicht geplant. Ein Bewohnender kehrte von einem Klinikaufentahlt ins Pflegeheim zurück. Die Kollegen des Rettungsdienstes dachten - wie alle anderen auch - es würde sich um einen echten Brand handeln und packten mit vollem Einsatz wie selbstverständlich mit an, sowohl beim Transport von Menschen im Rollstuhl als auch bei der Evakuierung der bettlägrigen Personen. Nach Luft japsend standen sie nach dem Evakuieren des letzten Bewohners unten an der Haupttreppe und erfuhren dann erst, dass der Einsatz Übungszwecken gedient hatte.

Zitat

  • Das hat alles super funktioniert. Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Evakuierungsübung.

    Klaus Friedrich Einsatzleiter, Freiwillige Feuerwehr Brome

Bei schönstem Sonnenschein sammelten sich alle Mitarbeitenden und Bewohnenden auf der großen Wiese vor dem Michaelis-Heim und verfolgten nach ihrer eigenen "Rettung" gespannt die "Löscharbeiten" und das Treiben rund ums Gebäude. Pflegekräfte checkten die tagesaktuelle Bewohnerliste und hakten ab, wer es nach draußen geschafft hatte. Glücklicherweise zu diesem Zeitpunkt alle. Andere Mitarbeitende schenkten Wasser aus und beruhigten, wo es nottat. Eine Kollegin hatte ein Laptop mit nach draußen getragen. "So haben wir die Dokumentation auf alle Fälle auch zur Hand."

Das lief alles so rund und ruhig, dass der Eindruck entstehen konnte, als ob es regelmäßig geübt worden wäre. Ob es auch Dinge gegeben hat, die besser hätten laufen können? Einsatzleiter Klaus Friedrich verneint und dann fallen ihm doch noch ein paar Kleinigkeiten ein. "Es wäre im Ernstfall gut, wenn die Hauptansprechperson seitens des Heims auch eine orangefarbene Warnweste tragen würde und so für uns alle als Ansprechperson kenntlich gewesen wäre." Mit seinem Team war Friedrich ebenfalls zufrieden. "Die Fahrzeugaufstellung hätten wir optimieren können, aber daran werden wir arbeiten."

Alle Feuerwehrfahrzeuge fuhren vor das Gebäude, bzw. hielten in der Straße davor. Wenn auch noch Rettungswägen gebraucht und hinzugerufen worden wären, wäre es vom Platz her eng geworden. Offenbar wäre es besser gewesen, wenn sich ein Teil der Einsatzkräfte an einem Sammelpunkt postiert und dort auf ihren Einsatz gewartet hätte. Aber die eigentliche Evakuierung und das Löschen des Brandes sind bestens verlaufen. Der Dank der Feuerwehr ging an Annette Sternagel für die Idee zur Übung und an das gesamte Pflegeteam für seinen Einsatz. Umgekehrt bedankte sich Annette Sternagel bei der Feuerwehr, die an einem Freitagnachmittag ausrücken musste. Im Anschluss gab es kalte Getränke für alle Beteiligten der Feuerwehren aus Brome, Zicherie, Altendorf, Parsau, Croya, Voitze, Kaiserwinkel und Tülau und jede Menge Gesprächsstoff für die Bewohnenden und die Anwohner.

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