© Diakonie Wolfsburg/Bettina Enßlen
Regionalbischöfin Marianne Gorka bei Besuch in Wolfsburg:

"Der Schutz des Lebens hat bei Diakonie und Kirche immer Vorrang"

Wenn eine Regionalbischöfin eine "Visitation" in einem ihrer zehn Kirchenkreise macht, dann ist sie weniger kontrollierend als beratend unterwegs. So jedenfalls beschreibt Marianne Gorka ihre Rolle beim Besuch der Diakonie Wolfsburg, der im Rahmen ihrer rund einwöchigen Visitation des Ev.-luth. Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen stattfand. Zusammen mit Superintendent Christian Berndt und Regine Müller vom Kirchenkreisvorstand nahm sich Gorka Zeit für einen kurzen, aber intensiven Austausch mit Geschäftsführung, Altenheimseelsorger und Pflegeexpertinnen der Diakonie Wolfsburg.

Nach einem Rundgang durch das Seniorenzentrum St. Elisabeth, das die Pflegeschule der Diakonie Wolfsburg, Betreutes Wohnen, Senioren-Wohngemeinschaften, eine Tagespflege und stationäre Pflege beinhaltet, ging es vor allem um zwei durchaus brisante Themen: Wie ist die Haltung von Kirche und Diakonie zum assistierten Suizid und wie positionieren sich Kirche und Diakonie zum Rechtsruck in der Gesellschaft, wenn ein Unternehmen wie die Diakonie Wolfsburg mehr als 30 Prozent Beschäftigte mit Zuwanderungsgeschichte hat und Vielfalt als Erfolgsfaktor versteht?

Die Theologin hörte zu, fragte nach und bezog klar Position: "Der Schutz des Lebens hat für uns als Diakonie und Kirche immer Vorrang. Bei uns müssen Menschen sicher leben können. Bei uns müssen Menschen auch sicher arbeiten können. Dazu gehört auch, dass Sie als Pflegekräfte die Sicherheit haben müssen, auch Nein sagen zu können, wenn jemand um Mithilfe bei einem Suizid bittet." Ralf-Werner Günther, Geschäftsführer der Diakonisches Werk Wolfsburg gemeinnützige GmbH, hatte anlässlich des Besuchs der Regionalbischöfin alle Leitungskräfte aus den Pflegeeinrichtungen der Diakonie Wolfsburg an einen Tisch geholt. Die übergreifende Diskussion um Fragen der Ethik und der Haltung sah er als Chance und sprach am Ende eine Einladung aus: "Wir planen eine Klausurtagung zum Thema assistierter Suizid und wir hätten Sie gerne dabei, wenn Sie möchten."

Im Gespräch hatten die Vertreter der Diakonie Wolfsburg von Anfragen von Interessenten nach Pflegeplätzen in Kombination mit dem Angebot von assistiertem Suizid berichtet. Wie genau der Schutz des Lebens in einer palliativen Versorgungssituation in der Pflege der Diakonie Wolfsburg aussehen kann und soll, darüber soll bald weiterdiskutiert werden. Dass Kirche und Diakonie gerade auch im öffentlichen Diskurs klare Positionen beziehen müssen, darüber herrschte an diesem Vormittag Einigkeit. Das gilt auch für das Thema Migration und die Beschäftigung von Mitarbeitenden mit Zuwanderungsgeschichte - mehr als 30 Prozent sind es bei der Diakonie Wolfsburg. Von den aktuell 180 Lernenden an ihrer Pflegeschule haben nur etwa 13 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Reicht es, Vielfalt im Unternehmen zu leben oder müssen Diakonie und Kirche sie auch sichtbar stärker verteidigen angesichts der kontroversen Diskussionen in Politik und Gesellschaft.

Auch hier wurde Bischöfin Gorka deutlich: "Sie als Diakonie haben so viele positive Geschichten zu erzählen. Wolfsburg selbst erzählt auch eine gute Geschichte von Zuwanderung. Was wäre die Stadt ohne seine Gastarbeiter gewesen?" Und dass die Würde des Menschen auch im Pflegebereich keine wirtschaftliche Frage sein dürfe, machte Günther klar: „Man kann Einrichtungen wie unsere auskömmlich führen, wenn auch nicht mit großen Gewinnmargen. Natürlich können wir uns menschenwürdige Pflege leisten!“

 

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