© Diakonie Wolfsburg/Martina Ziegler
Mit Symbolik, vielen Gästen und Erinnerungen sowie gemeinsamer Party

Emotionaler Abschied vom Hanns-Lilje-Heim

Die Diakonie Wolfsburg hat sich vom Hanns-Lilje-Heim verabschiedet.

Viele ehemalige Mitarbeitende und frühere Leitungskräfte aus den zurückliegenden Jahrzehnten waren dabei. Wegbegleiterinnen und -begleiter sind gekommen, auch viele Gäste aus Stiftungen, Institutionen und anderen Einrichtungen. Oberbürgermeister Dennis Weilmann saß in der ersten Reihe des Guthsmuts-Saals im leergezogenen früheren Pflegeheim, als der offizielle Teil losging, auch Roy Präger als Botschafter des Neubauprojekts "Leben mit Demenz - Diakonisches Kompetenzzentrum in Niedersachsen". Wenn das Hanns-Lilje-Heim abgerissen ist, wird das Neubauprojekt an gleicher Stelle auf dem Klieversberg realisiert. Die Diakonie Wolfsburg hatte eingeladen zum Abschied vom Hanns-Lilje-Heim. Im Mittelpunkt standen die Erinnerungen, auch die Begegnungen von früheren Kolleginnen und Kolleginnen, mitten unter ihnen auch hochbetagte Leitungskräfte aus den Anfangszeiten des Pflegeheims, das von Beginn an in Wolfsburg einen ganz besonderen Stellenwert und Leuchtturmcharakter hatte.

Abschied und Neuanfang - dieser Abend auf dem Klieversberg war für viele Teilnehmende eine emotionale Achterbahnfahrt. Zeit, die gemeinsamen Erinnerungen aus fast 50 Jahre gemeinsamen Lebens und Arbeitens Revue passieren zu lassen.

Die letzten pflegebedürftigen Personen sind in den vergangenen Wochen ausgezogen, unter anderem in das Emmaus-Heim in zwei Wohnbereiche im Erdgeschoss. Und während in der Geschäftsführung bereits an der Vorbereitung des Abrisses des Gebäudes gearbeitet wird, haben die Kolleginnen und Kollegen aus dem Team des Hanns-Lilje-Heims Aufgaben in den anderen Pflegeeinrichtungen der Diakonie Wolfsburg übernommen. So wurde die Abschiedsveranstaltung für viele Gäste vor allem auch zu einem fröhlichen Wiedersehen am alten Arbeitsplatz. Manch einer wurde mit lautem Jubel beim Betreten des Saals begrüßt, andere eher mit stiller Anerkennung. Mit Ingrid Woiton-Guthsmuts war eine der Leitungskräften aus der Anfangszeit des Hanns-Lilje-Heims gekommen. Obwohl nicht mehr die Jüngste, war sie eine von denen, die fast bis zum Schluss der Party blieben. Sie erzählte von früher, erkannte erfreut die von ihr gestifteten Altarbehänge wieder, suchte nach alten Spuren ihres Tuns und war mittendrin unter all den Gästen. "Ich hoffe, dass ich es noch bis zur Einweihung des neuen Pflegeheims schaffe. Dann bin ich gerne wieder dabei."

Nicht mehr alle, die ihre Erinnerungen an diesem Abschiedsabend geteilt haben, werden dann wieder "aktiv" sein. Allgemeinmediziner Rudolf Schulze zum Beispiel, der 30 Jahre lang Bewohnende des Hanns-Lilje-Heims medizinisch betreut hat, geht davon aus, dass seinen Job im neuen "Leben mit Demenz" dann andere übernehmen werden, wie er im Interview erzählte. Ganz sicher mit dabei sein wird dann aber Roy Präger, der sich als Botschafter des Neubauprojekts in den kommenden Jahren in Wolfsburg für das Thema Demenz stark machen wird. "Darauf freue ich mich, das ist ein tolles Projekt und das wird richtig gut", so Präger mit dem Blick nach vorne.

Einen Blick zurück auf das weltpolitische Geschehen aus den zurückliegenden 49 Jahren und den Ereignissen, die zeitgleich im 1977 eröffneten Hanns-Lilje-Heim stattfanden, hatten die drei Pastoren vorbereitet. Geschäftsführer und Pastor Ralf-Werner Günther eröffnete den Abend und freute sich sichtlich über die große Anzahl der Gäste. "Es zeigt mir die innige Verbundenheit, die mit diesem Haus und ihren, jetzt ehemaligen, Bewohnenden vorhanden war und ist", so Günther. Er bedankte sich für den Einsatz all derjenigen, die in der Vergangenheit und bis vor kurzem im Hanns-Lilje-Heim tätig waren. "Sie haben Großartiges geleistet", so Günther.

"So viel Leben hat hier stattgefunden", betonte Günther. Fotos aus fünf Jahrzehnten Hanns-Lilje-Heim liefen über die Leinwand, als Sängerin Janns-Lina-Hentrich den Song "Für dich da" von Lea interpretierte. Gänsehautmomente.

In acht Stationen ging es mit Ralf-Werner Günther und den anderen Pastoren, Dr. Frank Kleinschmidt und Michaela Willert, durch die Erinnerungen. Emotional wurde es auch, als die Pastoren zusammen mit Mandy Kalisch, der letzten Einrichtungsleitung, die Osterkerze und den Altarschmuck hinaustrugen. Auch die Gedenkstele in Erinnerung an die im Hanns-Lilje-Heim während der Corona-Pandemie verstorbenen Bewohnenden, wurde aus dem Garten des Heims geborgen und mit abtransportiert. Alles wird später einen würdevollen Platz im neuen "Leben mit Demenz" finden.

Im Anschluss an den offiziellen Part wurde gemeinsam gefeiert. An den Tischen haben die Gäste gemeinsam gegessen und getrunken. Erinnerungen wurden geteilt, Selfies gemacht und Verabredungen getroffen. Die Atmosphäre war fröhlich und entspannt. Die Haustechniker haben draußen unter zwei Schirmen Würstchen auf den Grill gelegt, das Team der Zentralküche hatte Salate vorbereitet, die Kolleginnen und Kollegen aus dem Team Außenanlagen hatten mit aufgebaut und für die Tischdeko mit Blumen aus den Gartenanlagen gesorgt. 

Und fürs Symbolfoto am Eingang des Hanns-Lilje-Heims griffen Oberbürgermeister Dennis Weilmann, Leben-mit-Demenz-Botschafter und VfL-Legende, Roy Präger, Einrichtungsleitung Mandy Kalisch und Geschäftsführer Ralf-Werner-Günther zu schweren Geräten - auch das mit einem Lachen im Gesicht. Mit dem Abschied vom Hanns-Lilje-Heim geht eine Ära zu Ende. Aber damit beginnt auch etwas Neues. Wir werden in den kommenden Monaten noch ausführlich darüber berichten.

Doch hier zunächst die schönsten Bilder des Abschieds...

Die Geschichte des Hanns-Lilje-Heims

Das Hanns-Lilje-Heim ist in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderds von der Stadt Wolfsburg in Absprache mit der Diakonie Wolfsburg entstanden. Es war von Beginn an eine Spezialeinrichtung für die besonderen Bedürfnisse psychisch veränderter Menschen. Im Mai 1975 wurde mit dem Bau begonnen. Das Richtfest fand nach nur sieben Monaten Bauzeit statt. Die Einweihung wurde im Juni 1977 gefeiert. Der Betrieb des Heims wurde von der Diakonie Wolfsburg übernommen. Das Heim erhielt den Namen des kurz zuvor verstorbenen Bischofs Hanns Lilje der Ev.-luth. Landeskirche Hannvovers und galt als niedersächsische Modelleinrichtung der Altenpflege.

Im April 1990 ging das Hanns-Lilje-Heim ganz in den Besitz der Diakonie Wolfsburg über und wurde zuletzt mit 165 Pflegeplätzen von der Diakonie Wolfsburg als (geronto)psychiatrische Spezialeinrichtung betrieben.

Während der Corona-Pandemie war das Heim zu einem sehr frühen Zeitpunkt von einer Infektionswelle betroffen, in deren Folge viele Bewohnende verstorben sind. Ein Gedenkstein im großen Garten des Pflegeheims erinnerte an diese Verstorbenen.

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