Erfolgsprojekt Generationsbrücke - aus Tandempartnern wurden Freunde
Hier schieben Kita-Kinder selbstbewusst Senioren im Rollstuhl vom Tisch in den Stuhlkreis. Hier schießen Neunzigjährige voller Begeisterung Luftballons durch die Luft. Mit Partnerscheren - an denen Griffe für zwei Hände angebracht sind - schnipseln Jung und Alt zusammen an Bastelvorlagen für Erinnerungsblumen herum. Und wenn beim Begrüßungslied jeder Einzelne mit seinem Namen besungen wird mit den Worten "Du bist so wunderbar", dann lächeln Senioren und Kitakinder um die Wette, denn was sie hier bei den monatlichen Treffen der Generationsbrücke lernen, ist klar: Unabhängig von Alter, Herkunft, Fertigkeiten und Möglichkeiten, hier zählt das generationsübergreifende Miteinander, jeder Einzelne ist wichtig.
Das Seniorenzentrum Bertha-von-Suttner der Diakonie Wolfsburg nimmt zusammen mit der benachbarten Kerkenkita St. Ludgeri in Ehmen seit mehr als drei Jahren am Projekt Generationsbrücke teil. Das Projekt hat die Bürgerstiftung Wolfsburg hier vor Ort einst initiiert und fördert es auch bis heute. Erzieherin Alexandra Steiger (Kerkenkita) und Ergotherapeut Christian Filias (Senioren- und Begegnungszentrum Bertha-von-Suttner) leiten und gestalten die zweimal pro Monat stattfindenden Begegnungen von Senioren und Kitakindern. Acht so genannte "Tandems" bestehend aus je einem Vorschulkind und einem kognitiv fitten Pflegeheim-Bewohner wachsen ein Jahr lang in den Treffen zusammen. Und jetzt, am Ende des Jahres, ist von Berührungsängsten nichts mehr zu spüren oder sehen. Ganz selbstverständlich gehen hier Jung und Alt miteinader um. Zum Teil haben sich Freundschaften entwickelt, an denen ganze Familien dranhängen. Erzieherin Alexandra erzählt von Besuchen der Kids mit ihren Eltern am Wochenende im Pflegeheim und von gemeinsamen Aktivitäten. Das macht die Senioren glücklich und löst viel aus: "Durch die Generationsbrücke sehen wir älteren Menschen, dass das Leben nach uns weitergeht", gibt Christian Filias ein Zitat einer Teilnehmerin wieder.
Wenn zu Beginn eines Kita-Jahres nach Vorschulkindern gesucht wird, die Lust haben, am Projekt teilzunehmen, dann melden sich in der Regel mehr Kinder als es Plätze gibt. Dann wird im Losverfahren entschieden. Auch auf der anderen Seite des Zauns ist das Interesse an der Generationsbrücke riesig. "So ein Loch im Zaun würde wahrscheinlich dazu führen, dass die Kinder und die Senioren sich mehrmals am Tag besuchen würden", mutmaßt Alexandra Steiger schmunzelnd.
Die Generationsbrücke ist ein Erfolgsprojekt. Es sorgt bei allen Teilnehmenden für Glücksmomente im Hier und Jetzt und für Erinnerungen, die nachhallen. Bei einem der letzten Treffen in diesem Kita-Jahr entstanden "Erinnerungsblumen". Aus gelbem Tonkarton haben Jung und Alt zusammen Blumen ausgeschnitten und darauf Fotos von sich geklebt. Die Fotos sind im Laufe des Jahres entstanden und zeigen immer das Kind zusammen mit seinem älteren Tandempartner. Stolz und ein wenig traurig angesichts des nahenden Abschieds vom diesjährigen Partner, haben alle am Ende des Treffens ihre Blumen der Gruppe gezeigt. Wenn das neue Kitajahr anfängt, geht es von vorne los mit neuen Tandems. Wie gut, dass manche Freundschaften dieses Jahr überdauern werden. "Ich besuche Dich", verspricht die kleine Lia ihrer älteren Freundin aus dem Pflegeheim. Lia kommt kommt nach den Ferien zur Schule und hat so viel gelernt durch die Treffen mit den Senioren. Nicht nur sie hat viel gelernt, die Erwachsenen auch, zum Beispiel, dass es gar nicht so schwer ist, mit einem Luftballon eine gute Zeit miteinander zu haben. Einfach weiterschubsen und lachen, wenn er doch mal zwischendurch runterfällt.