NDR erzählt die Geschichte eines Klienten der Suchthilfe Wolfsburg
Für Gerald ist jeder trockene Monat ein Erfolg und vom neuen Trend des "Dry January" hatte er vor der Anfrage des NDR-Teams aus Hannover auch noch nie etwas gehört. "Für mich ist der 'Dry January' so wichtig wie der 'Dry February" oder 'Dry March'", sagt er. Gerald lebt mit einer Alkoholabhängigkeit. Derzeit ist er trocken, was so viel heißt, wie "er trinkt aktuell keinen Alkohol". Eine richtige Heilung ist bei dieser Erkrankung nicht möglich. Der letzte Rückfall und die letzte Entgiftung sind bei Gerald erst ein paar Monate her und von den Momenten, in denen es für ihn schwierig wird, gibt es weiterhin genug. Deshalb ist er danbkbar für die wöchentlichen Therapiestunden mit seinem Suchthilfe-Therapeuten Jürgen Horstmann bei der Diakonie Wolfsburg. Hier geht es um ihn und unmittelbare Unterstützung. "Einmal pro Woche Einzeltherapie und einmal Gruppentherapie - beides sind wichtige Termine für mich", erzählt der Wolfsburger.
Als der NDR angefragt hat wegen eines Interviews, haben Gerald und sein Therapeut sofort zugesagt. Beiden ist es wichtig, dass Menschen mit Suchterkrankungen wie einer Alkoholabhängigkeit nicht stigmatisiert und als Menschen wie du und ich wahrgnommen werden. "Wir führen zum Teil ganz unauffällige, normale Leben", sagt Gerald, aber er weiß auch aus den Gesprächen mit anderen, wie schambehaftet diese Erkrankung ist und wie wie schwer sich manche damit tun, offen damit umzugehen. Bei Gerald hat sich durch zusätzliche Erkrankungen das Leben in den vergangenen Jahren stark verändert, so richtig "normal" läuft es nicht, aber mittlerweile geht er seine Probleme an und hat sich Stück für Stück Hilfe geholt. "Ich kann die Suchtberatung der Diakonie Wolfsburg nur empfehlen. Hilfe anzunehmen ist keine verlorene Zeit - ganz im Gegenteil. Jede Minute, die ich nicht an der Sucht hänge, ist ein Stück Leben, das ich zurückgewinne."
Das Fernsehinterview war für Gerald Herausforderung und Geschenk zugleich: "Wann hat man schonmal eine Chance, so etwas mitzuerleben?" NDR-Mitarbeiterin Kristina Hoffmann nahm Gerald bereits im Vorfeld die Nervosität. "Wenn ich etwas frage, was Sie nicht beantworten können oder möchten, dann sagen Sie mir das einfach." Und dann ging es los mit den Fragen an Therapeut Jürgen Horstmann und seinen Klienten Gerald.
Der "trockene Januar" stammt ursprünglich aus Großbritannien. 2014 startete dort diese Gesundheitskampagne mit dem gleichen Ziel wie heute: den Körper zur Ruhe kommen zu lassen.
Damals wie heute ist der "Dry January" ein Erfolg. Vor einigen Jahren kam der Trend auch nach Deutschland. Ein vierwöchiger Verzicht auf Alkohol kann laut Medizin einer bereits angegriffenen Leber helfen, sich selbst wieder zu reinigen. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Fettleber oder gar zu Leberkrebs führen. Auch der Magen leidet, denn Alkohol regt die Magensäure an, was im schlimmsten Fall zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung führen kann.
Der Fernsehbeitrag wird voraussichtlich am kommenden Sonntag, 11. Januar, um 19.30 Uhr im Rahmen der Sendung "Hallo Niedersachsen" bei NDR ausgestrahlt.