© Diakonie Wolfsburg/Paul Mbanefo
Nach 27 Jahren als Altenseelsorgerin bei der Diakonie Wolfsburg

Pastorin Michaela Willert feierlich verabschiedet

Viele Menschen haben Michaela Willert am 27. Februar im Wochernsaal des Emmaus-Heims bei ihrem Übergang in den Ruhestand begleitet. Der Tag war außerdem auch ihr 65. Geburtstag. 27 Jahre und 4 Monate war die gebürtige Wolfsburgerin als Pastorin bei der Diakonie Wolfsburg tätig, zuvor einige Jahre an der Christuskirche.

„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ - den Leitvers der Diakonie Wolfsburg hatte Willert ins Zentrum ihrer Predigt am Verabschiedungstag gestellt. Sie ging dabei mit Dankbarkeit auch auf ihren eigenen beruflichen Werdegang und ihre Fortbildungen ein. Seelsorge lag ihr immer am Herzen, auch in dem Bewusstsein: „Unser Wissen ist Stückwerk“ (1. Korinther 13).

Superintendent Christian Berndt hob das vielseitige Engagement Willerts, auch im Kirchenkreis, hervor. Es sei ungewöhnlich und auch nicht üblich, dass jemand so lange eine Stelle als Altenseelsorgerin innehabe, Michaela Willert habe aber immer wieder andere Schwerpunkte gesetzt, war auch einige Zeit mit Stellenanteil Klinikseelsorgerin am Klinikum Wolfsburg. Angesichts des Ruhestandes stelle sich nun für uns die Frage: „Was möchten Sie, dass wir für Sie tun?“

Ralf-Werner Günther, Geschäftsführer der Diakonie Wolfsburg, betonte die Verlässlichkeit von Frau Willert. Sie verkörpere für ihn Kontinuität im Diakonischen Werk. „Sie haben Menschen in all der Zeit begleitet und getröstet. Das Diakonische Werk verliert eine begnadete Seelsorgerin", so Günther

Pastor und Kollge Dr. Frank Kleinschmidt trug gute Wünsche und Fürbitten vor und dankte seiner Kollegin für viele Begegnungen und ihre seelsorgerliche und menschliche Präsenz.

Viele Grußworte voller Anerkennung und Wertschätzung folgten – von Mitarbeitenden, aus dem Kollegium, auch von Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Veranstaltung klang mit Gesprächen bei einem Imbiss in der Kantine des Emmausheims aus. Im Seniorenzentrum St. Elisabeth verabschiedeten sich die Mieterinnen und Mieter ebenfalls von der beliebten Pastorin.

Zitat

  • Das Schönste hier war das Miteinanderleben. Mir ist wichtig, in meinem inneren Album festzuhalten, was das Leben schön macht. Dankbar zu sein für das, was gelingen durfte. Mein erfüllender Beruf stand oft ganz oben!

    Michaela Willert Pastorin im Ruhestand

In einem Interview mit Frauke Josuweit, der Öffentlichkeitsbeauftragten des Ev.-lutherischen Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen sprach Michaela Willert anlässlich ihres Abschieds zum Thema "Beruf und Berufung". Wir geben das Interview hier wieder:

Frau Willert, mit 37 Jahren haben Sie Ihren Dienst als Pastorin im Diakonischen Werk Wolfsburg begonnen. Was hat Sie hier fast drei Jahrzehnte gehalten?

"Hier konnte ich mich um das kümmern, was mir in meinem Beruf wichtig ist, Seelsorge und Verkündigung nämlich. Ziemlich bald habe ich gemerkt: Das ist ein schönes Arbeiten – mit alten Menschen, im Kindergarten, in der Suchtberatung. Die Beziehung zu den Menschen, die hier leben und arbeiten, ist sehr intensiv. Und je mehr die Zeit fortschritt, desto mehr habe ich mir gewünscht, länger bleiben zu können."

Was haben Sie hier erlebt?

"In unseren Häusern leben überwiegend Frauen mit einer Mini-Rente - Kinder der Kriegsgeneration, die ihre Männer noch zu Hause versorgt haben bis zu deren Tod. Und diese Generation begehrt nicht auf. Es gibt viel Scham, sich in die Abhängigkeit fremder Menschen geben zu müssen. Nur noch Grundpflege zu erhalten – das würde unsere Generation so nicht mit sich machen lassen. Wenn es dann überhaupt noch Menschen gibt, die sich um Pflegebedürftige kümmern. Meine Oma hat immer gesagt: Wenn ich nicht mehr kann, dann falle ich tot um. Das war auch der Wunsch der meisten Menschen hier. Und ja, wir haben auch immer wieder mal Bitten von Schwerstkranken, die um Hilfe zum assistiertem Suizid fragen."

Wie verändert denn diese Arbeit das eigene Bild vom Leben und vom Älterwerden?

"Das Leben ist nichts für Feiglinge. Und das Alter schon gar nicht. In den Ruhestand gehen fällt mir schwer. Das Schönste hier war: Das Miteinanderleben. Mir ist wichtig, in meinem inneren Album festzuhalten, was das Leben schön macht. Dankbar zu sein für das, was gelingen durfte. Mein erfüllender Beruf stand oft ganz oben! Es fühlte sich nicht immer wie Arbeit an. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Welt ein bisschen besser machen durfte. Und nun habe ich endlich mehr Zeit für meine Familie."

Was nehmen Sie mit aus drei Jahrzehnten?

"Mein Gottesbild hat sich verändert in diesen vielen Jahren. Menschen haben oft in Not Glaubensfestigkeit gewonnen. Dieses Gottvertrauen hat sich auch in mir gefestigt. So als hätten mir die Menschen hier etwas von ihrer Frömmigkeit abgegeben."

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